Samstag, 25. Oktober 2008

Schmetterlinge haben niemals Übergewicht




Derweil schmatzt ein Schmetterling im Unterholz einen frisch gejagten Regenwurm. Seine Ehefrau ist aber Veganerin, deshalb kaut sie gerade auf einem Stück Holz. Sie findet es nicht gut, dass ihr Mann ein Fleischesser ist. Wie wir alle wissen, entstehen Schmetterlinge aus Regenwürmern und von daher ist ihr Mann eigentlich ein eiskalter Kannibale oder ein Baby-Esser im Schmetterlingswesen. Wenn man es krass sieht, muss man das leider so ausdrücken – und Schmetterlinge SIND krass! „Hans-Jürgen, nun komm. Ich will doch heute auch noch kochen! Außerdem bröselt so langsam mein Rouge von den Flügeln.“, ruft sie ihn und scharrt mit ihren neongrünen Gummistiefeln ungeduldig im Sand. "Ruhe, Weib! Und friss nicht zuviel - du wirst zu dick!" Doch hier hat der Schmetterling-Mann Unrecht! Schmetterlinge haben niemals Übergewicht. Da kommt ein Adler steil von oben geschossen und zerstört die komplette Situation auf brutalste Weise. Ein weitere Familie hat er nun ausgelöscht. Er macht sich ein weiteres Kreuz in den rechten Flügel und schwirrt ab. Die Natur ist brutal. So haben wir es in Biologie und Sozialkunde gelernt.

Dies alles findet im Gebüsch neben dem Love-Mobil statt. Zwei dunkle Gestalten steigen aus. Man erkennt sie nicht, denn der Mond scheint nicht hell genug. Wer mag es nur sein? Die eine ist ein Mann und der andere ist eine Frau. Seine Shilouette sieht berühmt aus. Er ist ein Star im TV. Es ist: KAI PFLAUME! Im Hintergrund spielt Peter Bursch „All You Need Is Love“ in einer Version, die er „ganz schön schwierig“ nennt. Er sitzt auf einem Baumstumpf und sieht scheiße aus. Wie auf den Fotos in seinem Buch!

Die Frau, die aus dem Wohnwagen aussteigt, ist weiblich. Sie sieht ein wenig ramponiert aus, weil sie vermutlich soeben rumgemacht hat. Sie hat etwas Viereckiges oder Rechteckiges in der Hand – obwohl ein Rechteck auch vier Ecken hat. Aber ein Rechteck ist ein Viereck. Ein Viereck, wie man es zunächst mal denkt, könnte ein Quadrat sein. Deshalb ist es irrelevant, ob ich Viereck oder Rechteck schreibe. Es ist ein VHS-Band mit einem geilen Typen drauf. Den hat sie vorhin geguckt und will den jetzt kennenlernen. Aber nicht mehr heute Nacht. Sie muss sich erst von dem intensiven Fick erholen. Er dauerte insgesamt fünfundvierzig Minuten. Kai Pflaume ist ein Sex-Monster!!

Der aufmerksame und mitdenkende Leser hat nun sicherlich bemerkt, um welche Frau es sich hier handelt. Es ist: BRITTA!! Sie wohnt doch hier in der Plattenbausiedlung. Sie ist die falsche Mutti von Sandro.

Kai Pflaume und Britta gehen im Stechschritt spazieren. Sie hält einen Zweig in der Hand, den sie von einem Gebüsch abgerissen hat und nestelt mit diesem romantisch an ihrer Fresse. Sie will sinnlich aussehen – nach dem Sex macht man das nämlich. Kai Pflaume torkelt etwas und fällt fast hin. Er pennt schon halb, weil Männer nach dem GV immer einschlafen. Britta stützt ihn und so gehen sie spazieren. Einmal um den Block und der Mond guckt von oben drauf. Die Nacht ist toll, Vögel zwitschern, Aale laichen, Pelikane bellen. Ein Kater brüllt im Kellerloch. Er hat soeben eine Ratte erlegt. Davon gibt es hier viele. Es duftet verführerisch nach Müllhalde. Eine Nacht zum Genießen.

Das UFO hat sich auch verdünnisiert – mit einer besonderen Technik, die nur die Außerirdischen kennen. Dort drin sitzt ja auch die echte Mutti von Sandro – aber die kommt nicht runter. Sie wurde damals entführt von Aliens. Die Außerirdischen wollen ihr nur zeigen, wo ihr Sohn wohnt. Vielleicht kommt es noch zum Kontakt – man weiß es nicht. Wir sind gespannt. Sandro hätte sie ja fast mit dem Luftgewehr abgeschossen. An einem Balkon im 5. Stock hängt ein Mann und klammert sich an die Balkon-Brüstung. Es ist Uri Geller, der gerade zuguckt, wie da drin zwei Menschen einen Karton aufmachen.

„Das war toll, Kai. Dein Bus kommt da. Schnell, du verpasst ihn.“, sagt Britta, küsst Kai Pflaume auf die Wange und stößt ihn auf die Straße. Der Bus überrollt ihn aber Kai Pflaume lebt noch. Da kommt ein Rudel Schmetterlinge und trägt ihn hinfort. Fleischfresser in action. Britta lächelt, winkt ihnen hinterher und geht zurück ins Haus. Sie betritt ihre Wohnung, schaltet das Licht ein und findet – niemanden. Sie ist allein. Wo ist wohl Sandro? Sie fängt augenblicklich an zu heulen. Die Tränen schießen in hohem Bogen zu beiden Seiten weg. Wie in so schlechten Manga-Zeichentrickfilmen. Sie legt sich auf das Sofa und wartet. Leicht bekleidet. Sie braucht es heute nochmal. Doch Sandro wird nicht kommen. Aber das weiß die nicht – nur wir. Lass die doch da rumliegen. Blöde Sau!! Sie hat ihren Zweig mit raufgenommen und nagt derweil an ihm – wie eine verspielte Hundedame!

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